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Training · 11. September 2026

Partnerübungen und Messerabwehr

Am Freitag standen zwei Einheiten auf dem Plan, die unterschiedlicher kaum sein konnten: Bei den Kindern ging es um Partnerarbeit in alle Richtungen, bei den Erwachsenen um ein Thema, das niemand auf der Straße erleben möchte. Gemeinsam war beiden Gruppen, dass kein Angriff ohne Antwort blieb.

Kindertraining: Grundschule, vier Richtungen und Heian

Den Anfang machten Grundschultechniken – die Pflicht vor der Kür, und zugleich das Material, aus dem später jede Partnerübung besteht.

Es folgte Gohon Kumite, fünf Angriffe, fünf Abwehrbewegungen, ein Konter. Eine Übung, die Rhythmus und Distanz sortiert, bevor es unübersichtlich wird.

Und unübersichtlich wurde es gleich danach: Die Abwehr von Angriffen mit vier Partnern stellte je einen Verteidiger in die Mitte, umringt aus vier Richtungen. Angegriffen und abgewehrt wurde im Uhrzeigersinn, sodass nach jeder Abwehr sofort die nächste Seite an der Reihe war. Die Angreifer gingen mit der Pratze vor, gekontert wurde in der ersten Runde mit Mae-Geri, in der zweiten mit Gyaku-Zuki.

Danach ging es zu Angriff und Verteidigung mit wechselnden Partnern auf den Stufen Jodan, Chudan und Gedan. Den Abschluss bildeten die Katas Heian Shodan bis Heian Sandan: nach all den Partnern wieder allein auf der Matte, dafür mit voller Konzentration auf die eigene Form.

Erwachsenentraining: Verteidigung gegen Messerangriffe

Der Trainingsschwerpunkt an diesem Abend war ein Thema, bei dem es keine schönen Antworten gibt: die Partnerübungen und Messerabwehr. Entsprechend stand über der ganzen Einheit ein Satz, der immer wieder fiel – wer einem Messer ausweichen kann, sollte genau das tun.

Von der Grundschule zur Abwehr

Den Einstieg bildeten Gedan Barai und Uchi Uke als Vorübung aus der Grundschule. Zwei Blöcke, die jeder seit dem ersten Trainingstag kennt – und die genau deshalb taugen: Was im Ernstfall funktionieren soll, darf nicht erst nachgeschlagen werden müssen.

Aus diesen beiden Bewegungen wurde anschließend eine Abwehr mit Karate-Techniken abgeleitet, wie sie in den Oberstufenprüfungen verlangt wird. Der Weg vom Grundschulblock zur Prüfungsform ist kürzer, als viele vermuten – es ist dieselbe Bewegung, nur mit einem Partner davor, der es ernst meint.

Ein Abstecher ins Aikido

Für höhere Prüfungen und für den Moment, in dem auch mal etwas Anderes gefragt ist, ging es kurz über den Tellerrand: Kotegaeshi aus dem Aikido, die Handgelenkdrehung nach außen. Sie sieht gut aus, sie macht Eindruck – und sie zeigt, dass der Blick in eine andere Stilrichtung dem eigenen Karate nichts wegnimmt. Zur Show gehört allerdings auch die Ehrlichkeit: Eine Technik, die auf der Matte sauber aussieht, ist damit noch lange keine Lebensversicherung.

Realistisch wird es unangenehm

Deutlich bodenständiger ging es weiter mit einer realistischen Variante: der Angriff wird beidhändig blockiert, der Gegenangriff kommt mit Beintechniken. Zwei Hände für das Problem, die Beine für die Antwort – eine Arbeitsteilung, die im Ernstfall mehr wert ist als jede Einzelbewegung.

Anschließend wurde mit dem geübt, was gerade griffbereit ist: Rucksack und Stuhl als Hilfsmittel, um den Angreifer auf Abstand zu halten. Was zwischen Klinge und Körper passt, hat an diesem Abend seinen Zweck erfüllt – und ein Rucksack ist plötzlich nicht mehr nur eine Tasche, in dem der Gi transportiert wird.

Der wichtigste Hinweis des Abends

Durch alle Übungen zog sich dieselbe Mahnung: Die Chancen, einen Messerangriff unverletzt zu überstehen, sind schlecht. Sehr schlecht. Alles, was trainiert wurde, ist die zweitbeste Lösung – die beste heißt sofortige Flucht, wann immer sie möglich ist.

Gerade deshalb lohnt sich das Training: nicht, um den Ernstfall zu suchen, sondern um ihn realistisch einschätzen zu können. Wer weiß, wie schwierig die Abwehr wirklich ist, rennt schneller – und das ist an diesem Abend ausdrücklich als Erfolg verbucht worden.