Am Freitag standen zwei Einheiten auf dem Programm: Im Kinder- und Einsteigertraining ging es von koordinierten Grundtechniken bis zu Kumite und Kata, bei den Erwachsenen und Fortgeschrittenen um wirkungsvolle Faustschläge in der Selbstverteidigung. Erst musste also alles zusammenspielen, danach durfte es auch einschlagen.
Kindertraining: Koordination, Kumite und Kata
Den Anfang machten Koordinationsübungen mit Partnern. Die Bewegungen kamen direkt aus dem Kihon: Age-Uke, Gedan-Barai, Uchi-Ude-Uke, Ushiro-Geri und Mikazuki-Geri. Dabei waren nicht nur die einzelnen Techniken gefragt, sondern auch der gemeinsame Rhythmus – denn Koordination bedeutet mit Partner gleich doppelt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Aus den Einzeltechniken entstand anschließend eine feste Partnerfolge: Angriff mit Oi-Tsuki, Abwehr mit Mikazuki-Geri und der Ushiro-Geri als Konter. So wurden Angriff, Abwehr und Gegenangriff unmittelbar miteinander verbunden.
Danach folgte das Gohon Kumite wie zur Prüfung zum 8. Kyu, ergänzt um einen Angriff mit Mae-Geri. Der bekannte Ablauf bekam damit buchstäblich einen weiteren Tritt – und verlangte erneut saubere Distanz, Aufmerksamkeit und Abstimmung mit dem Partner.
Zum Abschluss standen die Katas Heian Shodan und Heian Nidan auf dem Programm, jeweils einmal langsam und einmal schnell. Langsam blieb Zeit für die Kontrolle jeder Bewegung, schnell musste das zuvor Sortierte ohne Umwege zusammenfinden.
Erwachsenentraining: Wirkungsvolle Faustschläge in der Selbstverteidigung
Bei den Erwachsenen begann das Training mit Oi-Tsuki und Gyaku-Tsuki in der Grundschule, jeweils mit Schrittbewegung. Hinweise und Korrekturen wurden dabei nach Gurtgraden abgestuft. Die Technik hieß für alle gleich, die geforderten Details wuchsen jedoch mit der Erfahrung.
Danach wechselte der Gyaku-Tsuki seine Form: zunächst mit Suri-Ashi in der Kumite-Ausführung, anschließend aus dem Stand und auch mehrfach schnell hintereinander. Gleicher Name, andere Aufgabe – und damit auch eine andere Ausführung.
Schlagwirkung an der Pratze
Den größten Teil des Trainings nahm der Gyaku-Tsuki mit Partner an den großen Pratzen ein. Im Mittelpunkt stand dabei der Gyaku-Tsuki als Welle: "Der Gyaku-Tsuki als Welle beschreibt ein fortgeschrittenes, biomechanisches Konzept im traditionellen Karate, bei dem die Schlagkraft nicht allein durch Muskelkraft oder eine isolierte Hüftrotation, sondern durch eine fließende Körperwelle (kinetische Kette) erzeugt wird. Statt einer abrupten, blockartigen Bewegung wird die Energie wie eine Welle von den Füßen bis in die Faust geleitet".
Auch unter wachsendem Druck sollte diese Wirkung erhalten bleiben. Deshalb folgten mehrere Gyaku-Tsuki hintereinander in die Pratze, während der Angreifer mit weiteren Schlägen nachsetzte. Aus einem einzelnen Treffer wurde so eine fortlaufende Aufgabe, bei der Technik und Handlungsfähigkeit nicht nach dem ersten Kontakt enden durften.
Dabei zeigte sich eine einfache, aber spürbare Wahrheit: Eine Pratze schlägt zwar nicht zurück, doch bei starkem Einsatz ohne Faustschützer melden sich Knöchel und Handgelenke schnell. Unter Adrenalin fällt das womöglich kaum auf – immer noch besser, als die Schläge selbst einzustecken.
Eine Technik, drei Ausführungen
Wichtig war deshalb die saubere Unterscheidung zwischen Grundschultechnik, Wettkampftechnik und Selbstverteidigungstechnik. Jedes Mal stand Gyaku-Tsuki darauf, doch darin steckte nicht jedes Mal dasselbe. Haltung, Bewegung und Ziel der Ausführung richteten sich nach der jeweiligen Situation – die Faust blieb gleich, der Rahmen gab den Ausschlag.